Petition «Für eine würdige Erinnerungskultur»
Diese Petition ist nun geschlossen.
Enddatum: Sep 30, 2025
Gesammelte Unterschriften: 2,276
Erwartete Anzahl Unterschriften: 5000
Erwartete Anzahl Unterschriften: 5000
Alle in der Schweiz wohnhaften Personen und Auslandschweizer, unabhängig von Staatsbürgerschaft und Alter, dürfen diese Petition unterschreiben.
Ablauf der Sammelfrist: 30. September 2025
Unterzeichnen Sie jetzt die Petition
Petition an den Regierungsrat des Kantons Thurgau
Die unterzeichnenden Bürgerinnen und Bürger fordern:
1. Offizielle Anerkennung der historischen Verantwortung
- Der Regierungsrat des Kantons Thurgau soll sich öffentlich und unmissverständlich zur Mitverantwortung des Kantons während der NS-Zeit bekennen.
- Es braucht eine formelle Entschuldigung des Regierungsrates gegenüber jüdischen Gemeinschaften in der Schweiz und in Deutschland.
- Die Regierung soll das Schweigen und Verdrängen der Vergangenheit beenden und Verantwortung für die Rolle zentraler Akteure wie Regierungsrat Altwegg, Polizeikommandant Haudenschild und Statthalter Raggenbass übernehmen.
2. Sichtbare Zeichen der Erinnerung schaffen
- Errichtung von Mahnmalen an grenznahen Orten und Grenzübergängen im Kanton Thurgau, insbesondere an historischen Rückweisepunkten jüdischer Flüchtlinge.
- Die Mahnmale sollen ein deutliches «Nie wieder ist jetzt!» symbolisieren – als Zeichen der Demut, der Aufrichtigkeit und der historischen Einsicht.
- Der Thurgau darf nicht länger auf Bundesinitiativen warten oder sich auf andere Kantone berufen – jetzt ist die Zeit gekommen, selbst Verantwortung zu übernehmen.
3. Nachhaltige Verankerung in Bildung und Öffentlichkeit
- Integration der NS-Vergangenheit des Kantons Thurgau in den schulischen Geschichtsunterricht – mit Fokus auf lokale Verantwortung und Einzelschicksale.
- Förderung von Projekten wie Stolpersteine, Zeitzeugenberichte und Gedenkveranstaltungen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit.
- Eine aktive Medienberichterstattung soll unterstützt und eingefordert werden, damit Themen wie Antisemitismus und historische Schuld nicht länger marginalisiert werden.

Darum geht es
Vor und während des Zweiten Weltkriegs wurde den Jüdinnen und Juden unfassbares Leid angetan – auch in der Schweiz. Obwohl viele Schweizerinnen und Schweizer ihre Verantwortung wahrgenommen haben und im ganzen Land die Solidarität mit den Opfern des Nationalsozialismus dominierte, gab es auch Missstände, die bis heute unzureichend oder gar nicht aufgearbeitet wurden. An der Grenze kam es zu Abweisungen jüdischer Flüchtlinge, was für viele von ihnen ein «sicheres Todesurteil» bedeutete. Besonders viel Schuld aufgeladen hat sich der Kanton Thurgau, wo ein extrem rigides bis unmenschliches Verhalten gegenüber jüdischen Flüchtlingen vorherrschte und es zu massenhaften Abweisungen an der Grenze kam.
Trotz der unbestreitbaren historischen Verantwortung bleibt der Kanton Thurgau bis heute jede ernsthafte, sichtbare Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels seiner Vergangenheit schuldig. Bis heute hat der Thurgauer Regierungsrat weder eine offizielle Entschuldigung gegenüber jüdischen Gemeinschaften noch konkrete Zeichen der Erinnerung, wie Mahnmale an den Grenzorten, zustande gebracht. Statt mutiger Aufarbeitung herrschen Ausflüchte und Verzögerungstaktiken vor. Um ihr Nichtstun zu begründen, verweisen die Thurgauer Behörden seit Jahren auf sog. «bundesweite Initiativen». Doch auch, nachdem man in der ganzen Schweiz spürbar vorwärts gemacht hat mit der Schaffung mehrerer geplanten Erinnerungsstätten, regt sich im Thurgau noch immer nichts.
Die Verdrängungshaltung gegenüber des eigenen «braunen Erbes» seitens der Thurgauer Regierung ist beschämend. Dabei ist klar, dass dieses weder durch vermeintlich stillschweigende Reue noch durch symbolische Absenz getilgt werden kann. Deshalb fordern wir ein klares «Nie wieder!» in Wort und Tat. Strafbarkeit mag verjähren – Schuld jedoch nicht. Der Thurgau riskiert, durch seine Untätigkeit selbst zum Mahnmal eines uneinsichtigen Umgangs mit der eigenen Geschichte zu werden.
EDU Schweiz, Daniel Frischknecht, Präsident